26. Januar 2007 Kommentieren 1. Jahrgang

„Monika Hohlmeier entlastet”

(BR-online 25. Januar 2007, 19.24 Uhr)

„Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter und verstellen sich als Apostel Christi. Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts. Darum ist es nichts Großes, wenn sich auch seine Diener verstellen als Diener der Gerechtigkeit; deren Ende wird sein nach ihren Werken.”

(Der zweite Brief des Apostels Paulus an die christliche Gemeinde in Korinth, Kapitel 11, Verse 13-15; übersetzt nach Martin Luther)

Brunnen vergiften, Ruf morden, Ehre abschneiden. Bayerische Umgangsformen. Im Südstaat ist es eben kein Witz, was ein alter Witz besagt: Die sich steigernde Vergleichsform (Komparation) des Substantivs Gegner, sei Feind und der werde vom Parteifreund übertroffen.

Ein Stamm, der dadurch Respekt bekundet, dass er einen Gauner „Schlitzohr” nennt, beweist, dass er entweder den Sinn des Wortes nicht verstanden hat oder, dass er sich mit Ganoven gemein macht. (Schlitzohren waren einst Zimmermannsgesellen, denen das Kennzeichen ihrer Zunftzugehörigkeit, ein Ring im Ohr, aus dem Ohrläppchen gerissen wurde, weil sie beim Stehlen, Lügen oder Betrügen erwischt worden waren).

Auch die Tatsache, dass im Bergvolk Wirtshausraufereien als Kommunikation betrachtet werden, lässt vermuten, dass es mit der Zivilisation des Stammes, der sich von keinem anderen Stamm übertreffen lässt, wenn es ums Abspulen christlicher Rituale und ums Anbringen von zu christlichen Schutz- und Andachtsgegenständen erhobenen Fetischen geht, nicht allzu weit her sein kann. Von demokratischen Zuständen gar nicht zu reden.

Es gelten das brachial und verbal ausgeübte Faustrecht und die Gesetze der Heimtücke. Jeder weiß es. Und alle sind’s zufrieden. Anders sind die Wahlergebnisse nicht zu erklären, die eine sich christlich gebärdende, sektenartig arbeitende Vereinigung im „Land der Lederhosen und Laptops” seit Jahrzehnten einfährt. Dabei ist das C im Namen dieser zur Partei hoch gejazzten Clique nicht mehr als der Wurm auf dem Haken eines Anglers – ein Köder. Für schwarze Witwen, Traumtänzer, Altarschwalben, Tümler und Gutgläubige.

Demokratie?! Pah! Allein die Nummer, die um den auf Abruf amtierenden Vorsteher der um sich schlagenden Verbindung namens CSU abläuft – der Mann tritt auch „noch” als Prinzregent des „Freistaates” auf – sucht in Deutschland ihresgleichen. Der Wähler hat in der deutschen Politik auf den Gebieten der Ehrabschneidung, des Rufmordes, der Brunnenvergiftung – und der Veralberung des Publikums! – mittlerweile einiges über sich ergehen lassen von dem er sich gedacht haben wird, es sei nicht „zu toppen”. Aber – es ist! Wie ein Blick nach München und Umgebung zeigt.

Es sind zwei Stellen ausgeschrieben und für eine davon gibt es zwei Bewerber. Zwei! Auf jede Ausschreibung der sogenannten Job-Agentur stürzen sich hunderte von Aspiranten. Und selbst dann, wenn es für Spitzenpositionen mehrere Bewerber gibt, kommt kein vernünftiger Mensch auf den Gedanken, das zu beklagen. Nicht so die Clerikalsozialisten. Die entsandten neben dem professionellen Brunnenvergifter Markus Söder, offiziell „Generalsekretär” der Unierten, einen ehemaligen Fußballer, der jetzt Wurstfabrikant und Präsident des Fan-Clubs “Edi, das weiße Fallbeil” ist, in eine Quasselschau des deutschen Fernsehens. Erstens, um die „Einheit der Partei” zu beschwören. Und zweitens, um dort zu versuchen, Leuten, die manche Dinge anders sehen als er, mit einem Metzgerbeil die Ehre abzuhacken.

In der „Hauptstadt der Bewegung” des Adolf Nazi ging derweil ein als Klamotte aufgeführtes Trauerspiel seinem unappetitlichen Ende entgegen. Monika Hohlmeier – Tochter des „Duce aus der Schellingstraße” Franz Josef Strauß – lange Zeit als Lichtgestalt und legitime Erbin ihres Vaters gehandelt, war aufgeflogen. Die Kultusministerin und Vorsitzende des Münchner CSU-Bezirksverbandes soll sich innig an einer Reihe von menschlichen und politischen Ferkeleien beteiligt haben, statt Ungereimtheiten auszuräumen oder Licht ins Halbdunkel zahlloser Skandale, Skandälchen und Affären zu bringen. Und die „Parteifreunde” zu befrieden. Auch als Ministerin soll sie sich das eine und das andere Bubenstück erlaubt haben.

Vor parteiinternen Gremien flogen die Fetzen. Bezichtigungen sausten hin und her. Bei Gerichtsverhandlungen ging manchem manches Licht auf. „Parteifreunde” wollten gegen die Dame die Schwurhand heben. Durften’s aber nicht. Nur aus dem überflüssigsten Instrument der Demokratie, einem „parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtages” – „Hohlmeier-Untersuchungsausschuss” betitelt – war kaum Neues zu hören. Insofern ähnelte das Gremium den andernorts ebenfalls Augenwischerei betreibenden “Aufklärungskommissionen”.

In München allerdings lederten die sechs Mitglieder der staatstragenden Partei, die zwei Sozis und die eine Grüne im Ausschuss, vor allen Dingen jedoch die Wahrheit und die Wirklichkeit, in einer Weise ab, die ohne Beispiel ist. Da wurde derartig unterdrückt, gelogen, angeschwärzt und zurückgewiesen, dass Justitia ihre Waage von sich warf und weinend vom Sockel stürzte. Das war jedem Beobachter klar. Weißwurscht: „Monika Hohlmeier entlastet”, teilt der Propagandasender der Regierenden, Bayerischer Rundfunk gerufen, mit. Dem wird in diesen harten Zeiten kaum jemand etwas hinzufügen wollen. Jetzt als „Nestbeschmutzer” aufzufallen, wäre „karrieremassig” tödlich.

Wie die Clerikalen mit dem, was ihr Seelenheil betrifft, umgehen sollten, das hat ihnen der Prophet Jeremia in Kapitel 3, Vers 25 vorgeschrieben: „So müssen wir uns betten in unsere Schande, und unsre Schmach soll uns bedecken.”


Eine Reaktion zu “„Monika Hohlmeier entlastet””

  1. Charles Sassen

    Einmalig!!!!! Guuuuut! Zeigen Sie die Wunden! Nur so können die geheilt werden!

    Hoffentlich kucken auch viele CSU-ler in diesen von Ihnen so kristallklar geschliffenen Spiegel. Ihre Texte sind sowieso Gold wert, aber heute glänzen sie besonders!

    Mann, Sie kriegen noch eine Anstellung in der Staatskanzlei, der Feind muss eingebunden und zum Parteifreund gemacht werden!

    Gruß, Charles Sassen

Einen Kommentar schreiben