Monatsarchiv für Januar 2007

17. Januar 2007 0 Kommentare » 1. Jahrgang

„Die Alten-Republik Deutschland”

(ZDF, Dokumentation 2007, 16. Januar 2007, 21.00 Uhr)

„Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der HERR.”

(Das dritte Buch Mose, Kapitel 19, Vers 32; übersetzt nach Martin Luther)

Das traut sich denn doch noch niemand: Zu behaupten, es liege an den heute wirklich Alten – und nicht etwa an den vom Jugendwahn zu nicht mehr verwendungsfähigen „Gruftis” erklärten Mittvierzigern –, dass die Bundesrepublik Deutschland zusehends vergreise und allmählich entvölkert werde. Thema eines ZDF-Fernsehabends. Gegeben einmal als fiktive, einmal als reale Dokumentation.
Das können selbst […]

16. Januar 2007 2 Kommentare » 1. Jahrgang

„G8-Gipfel: Aufbau des Sicherheitszauns beginnt”

(tagesschau.de 16. Januar 2007 6.12 Uhr)

„Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.”

(Evangelium des Markus, Kapitel 10, Verse 42 und 43; übersetzt nach Martin Luther)

Das Gerücht, im Mittelalter seien Burgen in die Landschaft gestellt worden, um dem „Volk” Schutz vor äußeren Feinden bieten zu können, hält sich hartnäckig. Die auf den Knochen, mit dem Blut und dem Schweiß von Bauern errichteten Festungen ließ sich indessen der Schutzgeld erpressende europäische Adel – ein Vorläufer der Mafia – auf Bergkuppen stellen, […]

15. Januar 2007 0 Kommentare » 1. Jahrgang

„Graue Räte-Republik”

(Süddeutsche Zeitung 12. Januar 2007)

„Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.”

(Zweiter Brief des Apostels Paulus an die christliche Gemeinde von Korinth, Kapitel 4, Verse 16 bis 18; übersetzt nach Martin Luther)

Es geht auch anders. Aber – so geht es auch: „Leute, hängt beim Duschen die Duschvorhänge in die Wannen, ihr überschwemmt sonst meine Zimmer.” Das gab der damals 90-jährige Hotelier und Multimillionär Conrad Nicholson Hilton am Ende des Jahres 1978 zum Besten, als er von einem Journalisten um „einen Satz für die Nachwelt” gebeten worden […]

12. Januar 2007 0 Kommentare » 1. Jahrgang

„Das Verschwinden der Flüchtlinge”

(Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung 11. Januar 2007)

„Gib Rat, schaffe Recht, mache deinen Schatten des Mittags wie die Nacht; verbirg die Verjagten, und verrate die Flüchtigen nicht! Lass Moabs Verjagte bei dir herbergen, sei du für Moab eine Zuflucht vor dem Verwüster! Der Dränger wird ein Ende haben, der Verwüster aufhören und der Bedrücker aus dem Lande müssen.”

(Der Prophet Jesaja, Kapitel 16, Verse 3 und 4)

Die Zeile „Europa zahlt dafür, dass das Asyl dort hinkommt, wo potentielle Asylbewerber herkommen” in einer deutschen Zeitung zu lesen, ist ein Labsal. Das ist Journalismus im Sinne Émile Zolas. Dieser französische Romancier des 19. Jahrhunderts beteiligte sich aktiv am politischen Leben und setzte sich für die Liberalisierung der Gesellschaft ein. Sein Artikel „J’accuse” (Ich […]

11. Januar 2007 0 Kommentare » 1. Jahrgang

„Wir entlassen keine Menschen, 
wir bauen Stellen ab.”

(Ulrich Schumacher, Personalvorstand der Allianz Deutschland AG in „Chrismon – Das evangelische Magazin” 01/2007)

„Weil der Gottlose Übermut treibt, müssen die Elenden leiden; sie werden gefangen in den Ränken, die er ersann. Denn der Gottlose rühmt sich seines Mutwillens, und der Habgierige sagt dem HERRN ab und lästert ihn. Der Gottlose meint in seinem Stolz, Gott frage nicht danach. ... Sein Mund ist voll Fluchens, voll Lug und Trug; seine Zunge richtet Mühsal und Unheil an. Er sitzt und lauert in den Höfen, er mordet die Unschuldigen heimlich, seine Augen spähen nach den Armen. Er lauert im Verborgenen wie ein Löwe im Dickicht, er lauert, dass er den Elenden fange; er fängt ihn und zieht ihn in sein Netz. Er duckt sich, kauert nieder, und durch seine Gewalt fallen die Unglücklichen. Er spricht in seinem Herzen: ‘Gott hat's vergessen, er hat sein Antlitz verborgen, er wird's nimmermehr sehen.’”

(Psalm 10, Verse 2 und 3 sowie 7 bis 11, übersetzt nach Martin Luther)

Es bleibt dabei: Es gibt keine hässlichen Menschen. Es sei denn, jemand sieht so aus, wie er denkt. Bei dem, was der „Personalvorstand” der Allianz Deutschland AG, einer der größten „Versicherungs- und Finanzdienstleistungskonzerne” weltweit, im Gespräch mit dem Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, zum ewig währenden „Strukturwandel” in der Wirtschaft im Munde […]

10. Januar 2007 2 Kommentare » 1. Jahrgang

„Chinesen im Aktienfieber”

(FAZ.NET 10. Januar 2007 8.07 Uhr)

„Wer Geld liebt, wird Geldes nimmer satt; und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben. Das ist auch eitel. ... Wer arbeitet, dem ist der Schlaf süß, er habe wenig oder viel gegessen, aber die Fülle des Reichen lässt ihn nicht schlafen.”

(Der Prediger Salomo, Kapitel 5, Verse 9 und 11, übersetzt nach Martin Luther)

Nicht zu fassen. Da gerät einer völlig aus dem Häuschen. Findet: „Vor kurzem war ich noch ein rechter Lumpenhund; nicht sehr viel mehr als Mensch und Christ, und nun auf einmal – Kapitalist!“ Beeindruckend: Da redet sich ein gebildeter Mensch ein, sein Ansehen werde „wg. plötzlich eintretenden Reichtums“ ins Unermessliche wachsen. Also macht er Gott […]

9. Januar 2007 1 Kommentar » 1. Jahrgang

„CSU-Spitze schwört Stoiber die Treue”

(Süddeutsche Zeitung 9. Januar 2007)

„Alle deine eigenen Bundesgenossen werden dich zum Lande hinausstoßen; die Leute, auf die du deinen Trost setztest, werden dich betrügen und überwältigen; die dein Brot essen, werden dich verraten, ehe du es merken wirst.”

(Der Prophet Obadja, Vers 7; übersetzt nach Martin Luther)

Es schadete dem Mitglied des Katholischen Männervereins Tuntenhausen, Edmund Stoiber, nicht, wenn es sich gelegentlich in die Heilige Schrift vertiefte und sich dabei das eine oder andere durch den Kopf gehen ließe.
Zum Beispiel sollte sich der Vorsitzende der sogenannten Christlich Sozialen Union (CSU) überlegen, wen er, als er seine Laufbahn nahm, in welchem Zustand […]

8. Januar 2007 0 Kommentare » 1. Jahrgang

„Ein Gottesmann dient den falschen Herren”

(Süddeutsche Zeitung 8. Januar 2007)

„Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten”

(Zweites Buch Mose, Kapitel 20, Vers 16; übersetzt von Martin Luther)

Rufmörder, Brunnenvergifter und Afterredner feiern gemeinsam mit Schönfärbern, Vertuschern und Liebedienern Urständ. Vom achten Gebot, das sich in der Bibel im zweiten Buch Mose ohne Schwierigkeiten nachlesen lässt, haben, wie es scheint, weder Journalisten noch kirchliche Hierarchen, weder Frömmler noch Kirchenferne, weder der Betroffene noch diejenigen, die den Getroffenen treffen wollten, je gehört. Geschweige denn […]

5. Januar 2007 2 Kommentare » 1. Jahrgang

„Kinderarmut: Endstation Straße”

(FR online 5. Januar 2007, 6.25 Uhr)

„Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Es sei denn, dass ihr euch umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich. Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, da es am tiefsten ist.”

(Evangelium des Matthäus, Kapitel 18, Verse 2 bis 6; übersetzt von Martin Luther)

Der Zeitraum, in dem sich alle Stationen und Institutionen der Gesellschaft um das Wohlergehen von Kindern kümmern – was nichts anderes heißt, als sich dafür einzusetzen, dass dem Nachwuchs jede Art von Kummer erspart bleibt – dieser Zeitraum ist überaus überschaubar. Das hat Kurt Tucholsky schon im Jahre 1931 in dem Essay „Die Leibesfrucht spricht” […]

4. Januar 2007 2 Kommentare » 1. Jahrgang

„Wal-Mart will Arbeiter auf Abruf ”

(SPIEGEL ONLINE 4. Januar 2007, 1.00 Uhr)

„. ... und es wird ihm gelingen, daß er in die besten Städte des Landes kommen wird; und wird’s also ausrichten, wie es weder seine Väter noch seine Voreltern tun konnten, mit Rauben, Plündern und Ausbeuten; und wird nach den allerfestesten Städten trachten, und das eine Zeitlang.”

(Der Prophet Daniel, Kapitel 11, Vers 24; übersetzt von Martin Luther)

Von wegen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.” Unerfindlich, was den Frauen und Männern durch den Kopf gegangen ist, die im Mai des Jahres 1949 das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland beschlossen. Vier Jahre nachdem der Terror der Nazis und ihrer ungezählt vielen Mitläufer aus allen Schichten des deutschen Volkes endlich sein Ende gefunden hatte, […]