23. Februar 2007 Kommentieren 1. Jahrgang

„Bischof Mixa:
Von der Leyen will Gebärmaschinen”

(Süddeutsche Zeitung 23. Februar 2007)

„Und ihr sollt niemanden unter euch Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist. Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus. Der größte unter euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht. Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein, und die hinein wollen, lasst ihr nicht hineingehen.”

(Das Evangelium nach Matthäus, Kapitel 23, Verse 9 bis 14)

Solche Leute dürfen sich zu Fragen übergroßer Damenoberbekleidung äußern. Und zur Hutmode. Da sind sie kompetent. Wenn es indes um die Ehe, um Partnerschaften, um Familienprobleme, um Geldsorgen und ganz besonders ums Kinderkriegen und -haben geht, dann sollten sie dem Ratschlag des ersten Bischofs von Essen, Franz Kardinal Hengsbach (1910-1991) folgen. Der hat den bedenkenswerten Satz hinterlassen: „Lieber Gott, hilf mir, mein großes Maul zu halten, bis ich weiß, worüber ich rede.”

Woher und was sollten denn schon katholische Priester – in Sonderheit in Gestalt von Prälaten und sonstigen Hierarchen – wissen, von den Kümmernissen, den Sorgen und den Ängsten, die Eltern wegen der Kinder haben können? Von den Freuden zu ganz schweigen! Die ahnen nicht, was es heißt, Kinder zum Erwachsenwerden zu begleiten.

Die kennen nicht das Gefühl, das Menschen befällt, wenn sie nicht wissen, wie sie das Geld für die Miete zusammen bekommen sollen. Die an familiären Zänkereien nagen. Die sich danach sehnen, auch außerhalb der Familie anerkannt zu werden. Falls sie in der Familie überhaupt Anerkennung erfahren.

Der Klerus der katholischen Kirche in Deutschland hockt wohl versorgt und abgeschottet von der Wirklichkeit in warmen und trockenen Pfarrhäusern oder bischöflichen Villen und redet übers Leben so, wie ein Blinder über Farben. Der Klerus weiß noch nicht einmal, was der deutsche Volksmund weiß und sagt: „Bischöfe sollen wissen, dass sie Priester sind, nicht Herren.”

Davon, dass Jesus Christus gegen Priester im Allgemeinen und gegen Oberpriester im Besonderen argumentiert, polemisiert, sie verabscheut hat, ist ihm, so tut er jedenfalls, bislang noch nichts zu Ohren oder vor die Augen gekommen.

Jetzt hat wieder einmal einer von denen derartig herumkrakeelt, dass manche Kirchenglocke daran Schaden genommen haben wird. Von „heiligem Zorn” kann dabei nicht die Rede sein. Aber von Anmaßung. Von Menschenverachtung. Von Großspurigkeit. Von Hochmut. Von Unbarmherzigkeit. Von Dreistigkeit. Von Dummheit.

Apropos Dummheit. Es zählt zu den größten PR-Erfolgen vatikanischer Propaganda, das von vielen geglaubte Gerücht in die Welt gesetzt zu haben, jeder ihrer Würdenträger sei erstens ein Gesalbter und zweitens ein Intellektueller. Dogmatiker – ja! Aber – Intellektuelle? Und – gesalbt? Eher mit allen Wassern gewaschen!

Dieses Mal heißt der Brüllaffe nicht Meisner (Köln), nicht Müller (Regensburg), nicht Sterzinsy (Berlin). Er heißt wieder einmal Walter Mixa. Der ist Bischof der Diözese Augsburg und schmückt sich überdies mit dem Titel „Militärbischof”.

Der Schmallipper fällt nicht zum ersten Mal aus dem Rahmen. Er selbst empfindet sich als „ein Mensch, der aus seinem Herzen keine Mördergrube macht”. Andere fühlen sich allerdings von ihm immer wieder einmal in die Jauchegrube gestoßen.

Wegen ihrer Pläne, mehr Kindertagesstätten und Krippenplätze zu schaffen, bewarf er jetzt die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ursula von der Leyen (CDU), mit allerlei Unflat. Dadurch würden „junge Frauen als Arbeitskräftereserve für die Industrie” rekrutiert, war seine freundlichste Randbemerkung. Ein Staat, der die Kinderbetreuung außerhalb der Familie fördere, degradiere die Frau zur „Gebärmaschine” war die Steigerung.

Daraufhin schmetterte die Theologin Uta Ranke-Heinemann: Er sei „wohl der Allerletzte, auf dessen Rat die Frauen hören”. Er sei einer der Männer, die sich „wegen (des) pseudotheologischen Hirngespinstes vom Zölibat hartnäckig,” weigerten, „zu heiraten und Kinder zu zeugen”. Die katholischen Bischöfe seien es, „von denen sich Frauen zu Gebärmaschinen degradiert fühlen, nach dem katholischen Motto: Kinder, Küche, Kirche”.

Der Hintertreppenwitz am jüngsten Auftritt des knapp 66-jährigen Lautsprechers ist ein Satz, den er im Februar des Jahres 2006 anlässlich eines Interviews mit der „Süddeutschen Zeitung” absonderte: „Die Ehe von Mann und Frau und der Wille zu gemeinsamen Kindern ist keine religiöse Phantasie, sondern ein Grundbedürfnis der menschlichen Natur.” Das mag für nicht wenige Menschen zutreffen. Ob für ihn, ist fraglich. Mixa ist, klar, unverheiratet und vermutlich kinderlos.

Davon, dass der Aufenthalt von Kindern in Krippen und später in Kindertagesstätten, nicht unbedingt nur dem Raffen von Besitz und Ansehen dienen muss, sondern den Kindern zum Besten verhilft, davon hat dieser esoterische Traumtänzer noch nie etwas vernommen.

Es hat sich zwar herumgesprochen, dass zum Lenken eines Kraftfahrzeuges ein Führerschein erworben werden muss. Dass sich eine ähnliche Lizenz besorgen muss, wer Kinder in die Welt setzen will, ist bislang nicht zu hören gewesen. Dabei ist bekannt, dass es Eltern gegeben hat, gibt und geben wird, für die die Bezeichnung „Rabeneltern” eine Schmeichelei wäre.

Einmal davon abgesehen, dass andere, „ihren” Kindern, bei aller Liebe für den Nachwuchs, in Bildungsangelegenheiten nicht unter die Arme greifen können. Weder intellektuell. Noch materiell. Das aber kann das geschulte Personal in Krippen und in Kindertagesstätten. Was die Chancengerechtigkeit und die Chancengleichheit aufs Schönste befördert.

Dass in manchen Familien beide Eltern ganz einfach berufstätig sein müssen, weil sie anders nicht über die Runden kommen, kann der Augsburger Episcopus vermutlich deshalb nicht sehen, weil ihm seine Mitra dauernd über die Augen rutscht. Die von seinem bösen Geschwätz betroffenen Eltern können sich am Brief des Jakobus an die Stämme in der Zerstreuung erbauen: „‘Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.’ So seid nun Gott untertan. Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch.”


2 Reaktionen zu “„Bischof Mixa:
Von der Leyen will Gebärmaschinen””

  1. Charles Sassen

    Der Herr Episcopus Mixa
    ist ein waschechter W…..
    Mixa, lassen Sie die Finger von den Frauen,
    den Wesen, denen Sie eh nicht trauen.

  2. Günther Lührs

    Bischof Mixa - Gebärmaschinen.
    Hier redet ein Blinder von der Farbe. Wie tief muss dem die Mitra über die Augen gerutscht sein, wenn ihm entgeht, was Kinder heute kosten, wie hoch bundesdeutsche Mieten sind und wie es bei einer Durchschnittsfamilie finanziell am Monatsende aussieht. Hartz IV wird dieser „Oberhirte” für eine Ausweichstation der Brockenbahn halten.

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