„Nordiren schaffen Durchbruch”
(FR online 26. März 2007 um 17:48:02 Uhr)
„Darum: wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst und dort kommt dir in den Sinn, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass dort vor dem Altar deine Gabe und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder und dann komm und opfere deine Gabe. Vertrage dich mit deinem Gegner sogleich, solange du noch mit ihm auf dem Weg bist, damit dich der Gegner nicht dem Richter überantworte und der Richter dem Gerichtsdiener und du ins Gefängnis geworfen werdest. Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast.”
(Das Evangelium nach Matthäus, Kapitel 5 [Bergpredigt], Verse 23 bis 26)
Ratten sind klug. Und – Ratten sind aus sich heraus friedfertig. Aber – in die Enge getrieben greifen Ratten sogar ihnen turmhoch „überlegene” Menschen an. Springen ihnen, wenn sie keine Ausflucht mehr sehen, mitten ins Gesicht. Ganz anders der angeblich „mit Vernunft begabte Mensch”.
Der ist nicht so schlau, wie er meint, dass er’s sei. Kein anderes Tier ist so blöd, den Bereich in dem und durch den es lebt, mutwillig zu zerstören. Das bringt nur das Säugetier Homo sapiens fertig.
Und – friedfertig? Puh! Je lauter der aufgerichtete Mensch – einen durch und durch aufrechten gibt es nicht! – je lauter also der Mensch, der sich im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte auf die Hinterbeine gestellt hat, seine Friedfertigkeit, seine Unschuld betont und beteuert (ein schönes Wort: beteuert), desto größere Vorsicht ist geboten.
Ein Blick auf eines der hauptberuflichen bayerischen Politmonster mit den stets flach zusammen gelegten nach oben gerichteten Händen, den himmelwärts geschraubten Augäpfeln, den rasierklingendünnen blauen Lippen und dem quittengelben Teint, muss auch die wohlmeinendsten Zeitgenossinnen und –genossen davon überzeugen: Der Mensch ist die Fehlentwicklung der Schöpfung.
Keine „Heilige Messe” versäumen, den Parteinamen mit einem „C” zieren, jeden hundsföttischen Parteifreund von jedweder Sünde freisprechen, Rosenkränze beten, dass es nur so knattert, wallfahren bis die Funken stieben. Und danach unbarmherzig auf alles draufhauen, was sich bewegt und nicht zur „Familie” gehört.
So nannte der Ministerpräsident des Bergbauernvolkes, Edmund Stoiber (CSU), die Tatsache, dass die einstige RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt, wie andere Straftäter(!), nach 24 Jahren Haft „auf Bewährung” freigelassen worden ist, eine „Provokation für das Rechtsgefühl der breiten Mehrheit”.
Als ihm Mohnhaupts Verteidiger Franz Schwinghammer daraufhin Populismus vorwarf und ihn als Provokation ganzer Bevölkerungsgruppen bezeichnete, ließ das Fallbeil zum Gegenschlag ausholen.
In Gestalt des „Generalsekretärs” der Clerikal Soziopathischen Untoten erklärte der Vollstrecker der Gully-Postille „Bild”: „Die Äußerung ist ein Skandal. Solche Anwälte sind eine Schande für ihre Zunft.”
Stoiber kümmere sich eben mehr um die Opfer als um die Täter. Das sehe die Mehrheit der Deutschen gewiss genauso.
Unerwähnt ließ er, ob sein Pate für die Hinterbliebenen des von einem alkoholisiert Auto fahrenden CSU-Star zu Tode gebrachten polnischen Staatsbürgers sorgt. Bekannt ist, dass der Parteispezl längst resozialisiert wurde. Er hatte mittlerweile hohe Staatsämter im Bergstaat inne und treibt nun bei der Deutschen Bahn seine Possen.
Nebenbei bemerkt: In einem 44 Zeilen langen Beitrag über den Eiertanz der frömmelnden Populisten bringt es die Online-Ausgabe der „Süddeutsche Zeitung” von heute fertig, Mohnhaupt fünf Mal „Ex-Terroristin” und einmal „die vielfache Mörderin” zu nennen.
Es ist kaum anzunehmen, dass die Redaktion damit die Resozialisierung Mohnhaupts befördern will. Möglich, dass das nach dem Südstaaten-Prinzip läuft: Wie der Herr, so’s Gescherr?
Die „Führungskräfte” der künftigen SplitterPartei Deutschlands halten es nicht viel anders. Sowohl im Freistaat als auch im Rest der Republik.
Deren Furcht vor Kleinwüchsigen mit roten Schlipsen muss riesig sein. Weshalb sonst sollten bestens betuchte Establishment-Sozialdemokraten versuchen, den Ex-Sozis und Gewerkschaftern das Gesicht dadurch zu nehmen, dass sie ihnen im Sprung die Physiognomie zerkratzen.
„Mit heftigen Attacken haben SPD-Politiker auf die bevorstehende Fusion von WASG und Linkspartei zur ‘neuen Linken’ reagiert. Sie warnten vor ‘populistischen und demokratiefeindlichen’ Tendenzen in der neuen Gruppierung. Zugleich äußerten SPD-Linke die Sorge, die Partei könne ‘die Sozialdemokraten viele Stimmen kosten’, sagt die „Frankfurter Rundschau” zu Auftritten von Schmalspurdemokraten.
Dabei werden „verdiente Genossen”, die vom – natürlich nur von ihnen, den Besitzern des Steins der Politweisen, zu erkennenden – Pfad der Tugend abgekommen sind, in die Pfanne gehauen, dass es weithin spritzt.
Die allwissenden derzeitigen Pfründenbesitzer sind so sehr mit Feuer und Flamme (und langen, stumpfen Messern) dabei, dass sie nicht bemerken, wie stark sie sich beim vermeintlichen Schlachtfest beschmutzen.
Diese Art des Umgangs miteinander und viel Schlimmeres, scheint in dem zu Großbritannien zählenden Nordirland nun endlich zu Ende zu gehen. Gott sei Dank dafür!
„Historisch für Nordirland ist dieser Einschnitt zu nennen. Die erste Zusammenkunft Ian Paisleys und Gerry Adams, dieser Verkörperungen unionistischer Hegemoniesucht und republikanischen Terrors, zählt zu den wichtigen Ereignissen der Geschichte Ulsters. In der Vergangenheit suchte Paisley beharrlich alle katholische Mitbestimmung in Nordirland, jeden nordirischen Kontakt mit dem Rest der geteilten Insel zu blockieren. Adams lieferte ihm mit den Mordaktionen der IRA den ewigen Vorwand für die fatale Verweigerungsstrategie” kommentiert Peter Nonnenmacher das, was jetzt auf der Insel geschehen ist, in der „Frankfurter Rundschau”.
Was nun folgen muss, wird für keine Seite ein Zuckerschlecken werden. Aber selbst im Hirn des 80-jährigen pseudoprotestantischen Büchsenspanners Ian Paisley muss sich soviel bewegt haben, dass er ahnt, einen anderen Weg als den der „friedlichen Koexistenz” gibt es nicht.
Der endlos lange Zeit eingeworfene Vorwand, die Konfessionen trennten die Iren, hätte von vernünftigen Menschen nie geglaubt werden dürfen. Sie hätten von Anfang an erkennen müssen, dass es bei ihnen – wie überall auf dem Globus – um Politik geht, um Machtpolitik, und nicht darum, welche Gebet- und Gesangbücher Nachbarn benutzen.
So könnte die Menschheit, einerlei welcher Religion, zu einer Erkenntnis gelangen, die sich Juden und Christen über das achtundzwanzigste Kapitel des Buches Hiob vermittelt: „Siehe, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, und meiden das Böse, das ist Einsicht.”