„20-Jähriger verhungert
vor den Augen seiner Mutter”
(Frankfurter Allgemeine Zeitung 17. April 2007)
„Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen, und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.”
(Der Prophet Jesaja, Kapitel 58, Verse 7 bis 10)
In Deutschland wird das Elend vergoldet. Von einem vordemokratischen Schnürboden aus haben die Strippen ziehenden Auftraggeber von Politmarionetten allerlei Blendwerk mit einer hauchdünnen Edelmetallschicht überzogen.
Nur für den schönen Schein. Zu nichts nutze; außer, um davon abzulenken, dass sich die Gerechtigkeitsplatten in Deutschland tektonisch verschoben haben und weiterhin verschieben.
Der Coup ist dank der Liebediener der Presse glänzend gelungen. Die von Controllern ausgestreute Losung lautet: „Ihr jammert auf hohem Niveau. Schaut euch um in der Welt: Euch geht’s doch noch Gold!”
Wahrhaftig, das Niveau ist hoch – das der Mieten, das der Preise für Nahrungsmittel, der Zwangsversicherungsbeiträge, das für den täglich notwendigen Kleckerleskram, der unmerklich ins Geld geht. Kurzum: Der Versuch, in Würde zu überleben – um vom leben gar nicht zu reden – kann einen Menschen hierzulande das Leben kosten.
Das wollen die Strippenzieher und ihre Aktentaschenträger aus der Journaille vergessen machen. Sie schwätzen stattdessen davon, dass die Preise für Autos, Computer, Hifi-Anlagen, Luxusklamotten und ähnlichen Krimskrams seit Jahren stagnierten oder sogar gesunken seien. Das ist böswillig wirklichkeitsferne Propaganda!
Schon Martin Luther (1483 - 1546) hat gewusst: „Geld kann den Hunger nicht stillen, sondern ist im Gegenteil der Grund für Hunger. Denn wo reiche Leute sind, da ist alles teuer.”
Von dem, was arbeits-, sinn- und gewissenlose Spekulanten mit sonst immer müden Händen beim Stapeln ihrer Goldbarren in Schließfächer durch Abrieb eingeatmet haben, kommt ein Hauch zurück an die Fassade des von ihnen errichteten potemkinschen Wohlfahrtsstaates. Und zwar dann, wenn sie denen, die ihnen ihren Mehrwert erschaffen, beim Verhandeln über minimal höhere Löhne und Gehälter was husten.
Wer Gelegenheit hat, den Umgang Reicher und Superreicher mit Büro- und Politokraten zu beobachten – also dem der rotwangigen Puppenspieler und ihrer faden Fadenpuppen – dem erschließt sich der Inhalt der Begriffe „herablassend” und „jemanden hängen lassen” völlig neu. „Puppets” hängen eben „on a string.”
Das, was zehrt, ist nicht allein das Fehlen einer ausreichenden Menge vom „täglichen Brot”. Es ist der Hunger und der Durst nach Gerechtigkeit. Der Wunsch danach, dass nicht allein die Ehrlichen und die wirklich Schaffenden die Dummen sein mögen. Denn: „ … der Mensch nicht lebt vom Brot allein, …”.
Und so liegt das vergoldete Elend nicht allein in der Tatsache, dass das Materielle am Stock geht. Es wird überdies die Psyche vieler Menschen in Deutschland schon lange genauso mit Füßen getreten wie die Demokratie.
Vom Großkapital gesponserte schwarze Duodezfürsten und bunt gescheckte, uniformierte „Volksvertreter” mit Einheitshaarschnitt und Fraktionszwang übergehen im Bundestag kaltschnäuzig und hartherzig das, was „dem Wohle des deutschen Volkes” dient.
Die bringen es fertig, jahrelang über ein Verbot von Tabakreklame und über ein Rauchverbot im öffentlichen Raum zu streiten – seltsam: darüber, die Zulassung von ausschließlich privat genutzten Kraftfahrzeugen zu beschränken, reden die noch nicht einmal –, während Wolfgang Schäuble (CDU) ebenso wie sein Vorgänger Otto Schily (SPD) ohne viel Federlesens (vor allem fast ohne jede Diskussion) Hand an die Grundrechte legt.
So gingen das Fernmeldegeheimnis, die Unverletzlichkeit der Wohnung, das Asylrecht und wer-weiß-was-sonst-noch über den Deister. Ohne mit der Wimper zu zucken, erklären diese Typen die Intimsphäre des Menschen zum verzichtbaren Bestandteil im Dasein des Einzelnen.
Besonders Dumme unter den Deutschen formulieren, dass, wer sich nichts zuschulden kommen lasse, sich nicht zu fürchten brauche. Das galt auch bei den Nazis. Wer sich an deren verbrecherische Regeln hielt, konnte – vorausgesetzt, er war kein jüdischer Deutscher – „unbeschadet” über die Runden kommen.
Heute nützt manch muslimischem Deutschen selbst Wohlverhalten nicht. Das beweist, wie mit dem in Bremen geborenen Türken Murat Kurnaz umgesprungen worden ist. Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.” Selten so gelacht!
Im Überwachungsstaat schäublescher Prägung darf „der Staat” die Betten des Souveräns – das soll das Volk sein, ist das nicht komisch? – durchwühlen, seine Intimbeziehungen „wg. Hartz IV” ausforschen, sein Telefon abhören, seine Post öffnen und mit dem Zweitfoto für seinen Pass Schindluder treiben.
Dazu, einen 20 Jahre jungen, deutlich erkennbar seelisch schwerkranken Arbeitslosen in Speyer vor dem Hungertod zu bewahren, dazu reicht die „Fürsorge” im Polizeistaat nicht.
Der Tote habe sich zu Lebzeiten – wie seine ebenfalls hungerkranke Mutter, die aussagte, sie hätten kein Geld gehabt, sich ausreichend zu ernähren – nicht an gewisse seelenlose Vorgaben gehalten. Mithin, das heißt das im Klartext, sei der Mann selbst schuld an seinem Abgang.
In Deutschland, einem Gemeinwesen des „christlichen Abendlandes” – „Wir sind Papst!” – , geht eher ein Kamel durchs Nadelöhr als ein Innenminister – der die gesamte Bevölkerung „seines” Landes „präventiv” kriminalisiert – in den Vorruhestand.
Und professionelle Christen echauffieren sich lieber über Dinge, die sie einen feuchten Kehricht angehen, als den Kummer derer zu teilen, die sich selbst nicht helfen können. Und denen deshalb niemand hilft.
Die müssen sich auf das verlassen, was ihnen in der Offenbarung des Johannes verheißen wird: „Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.”